Wie hat der Presserat entschieden?
Rüge, Missbilligung oder Hinweis, wie hat der Presserat entschieden? Hier können Sie online in der Spruchpraxis des Presserats eine Auswahl an Beschwerdefällen von 1985 bis heute recherchieren.
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6738 Entscheidungen
Eine Zeitschrift befasst sich mit dem Leiden von Asthmakranken. Die Therapie sei in den letzten Jahren zwar aufwendiger und teurer geworden, schreibt das Blatt, Hilfe scheine sie jedoch nicht zu bringen. Die Schlussfolgerung lautet: »Immer mehr Asthmatiker werden auch heute noch nur durch drei Lagen Friedhofskies von ihrer Krankheit geheilt«. Ein Leser des Blattes empfindet diese Formulierung als brutal. Der Artikel sei durchaus geeignet, asthmakranken Menschen den Selbstmord nahe zulegen. Die Redaktion hält einer entsprechenden Beschwerde beim Deutschen Presserat entgegen, der beanstandete Satz sei keine Erfindung der Autoren, sondern ein unter Ärzten und Asthmatikern geflügeltes Wort, das auf einem Ausspruch des berühmten amerikanischen Arztes Oliver Wendel-Holmes basiere. (1991)
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Bundesgesundheitsamt und Bundesärztekammer beschweren sich über einen Beitrag in einer Frauenzeitschrift, die Über eine »Iss-dich-schlank-Kapsel« berichtet, die ein belgischer Arzt entwickelt habe und die seit einem Jahr erfolgreich sei. Zum Schlankwerden brauche man nur ein Rezept, eine Diät sei nicht erforderlich, und man werde nicht mehr rückfällig. Die Kapselkur sei eine medizinische Sensation. Ohne ärztliche Betreuung sei sie jedoch nicht zu machen. Die Kapsel biete »nur Vorteile«. Es sei möglich, dass einzelne Ärzte dazu unterschiedliche Ansichten hätten. »Sie sollten sich einen Arzt suchen, der ungewöhnliche Behandlungsmethoden von vornherein nicht ablehnt - einen Arzt also, mit dem sie reden können. « Sollte ein Arzt nichts davon halten, »müssen Sie entscheiden, ob Sie ihm vertrauen oder sich lieber einen anderen Arzt suchen «. In einem Kasten wird die Zusammensetzung der Kapsel beschrieben, dazu die Empfehlung gegeben, mit diesem Text in die Apotheke zu gehen, um sich die Kapsel zusammenstellen zulassen. Der Beitrag gibt auch die Stimmen einiger Personen wieder, die über Erfolge beim Abnehmen mit der Kapsel berichten (»Schlankschlucken ohne Verzicht«). Die Beschwerdeführer sind der Ansicht, der Beitrag wecke unbegründete Hoffnungen auf leicht zu erreichende Schlankheit und den unbegründeten Eindruck der Harmlosigkeit der Präparate und vermittele unbegründet den Eindruck, die Präparate seien harmlos. Die Redaktion widerspricht dem Vorwurf, leichtfertig gehandelt zu haben. Ihre Berichterstattung sei sauber und abgewogen. (1991)
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Unter dem Serientitel »Die Bestie vom süßen See« berichtet eine Boulevardzeitung in mehreren Folgen über die Tötungsdelikte eines Mannes, der das »grausigste Verbrechen in der DDR« begangen hat. Die Schlagzeile lautet: »Frauenmörder aß seine Opfer auf«. Im ersten Teil wird unter der Überschrift »Da schnitt er ihr die Brust ab« der Mord an einer 79-jährigen Frau beschrieben, die weitgehend erkennbar wird: Der Vorname des Opfers wird genannt, der erste Buchstabe des Familiennamens, der Wohnort mit Straße und Hausnummer. Man habe die Frau unbekleidet, blutüberströmt, mit entstelltem Gesicht gefunden. Die rechte Brust der Frau habe gefehlt, ebenso ihr Geschlechtsteil. Geschildert wird, wie anhand der Obduktionsergebnisse die Tat im einzelnen rekonstruiert wird. Zu dem Beitrag erscheint ein Foto vom Tatort mit der auf dem Bauch liegenden unbekleideten Toten. Die Kinder des Mordopfers beschweren sich beim Deutschen Presserat. Sie sehen Andenken und Würde der Toten beeinträchtigt, ihre Identität preisgegeben. Die Zeitung schlage aus dem tragischen Tod der Mutter Kapital. Die Redaktion kann die Betroffenheit der Angehörigen nachempfinden. Sie begründet die identifizierende Berichterstattung damit, dass auch im Bereich der Kriminalität Unterlassungen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten seien. Berichterstattung über Kapitalverbrechen sei in der ehemaligen DDR aus ideologischen Gründen nicht möglich gewesen. (1991)
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Im Kommentar einer Lokalzeitung unter der Überschrift »Das Fass läuft über« heißt es wörtlich: »Spätestens seit weit über 1000 Zigeuner aus Rumänien (und Jugoslawien) die Stadt bevölkern und ihrem schlechten Ruf durch miserable Hygiene und provozierende Missachtung jeglicher Eigentumsverhältnisse gerecht werden, ist das Fas am Überlaufen. « Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht in der Veröffentlichung eine rassistische Pauschalkriminalisierung: Zigeuner werden als »unzivilisierte Menschen« herabgesetzt. Die Redaktion der Zeitung weigert sich, eine Stellungnahme abzugeben. (1990)
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Unter der Überschrift »Zwei Hellseherinnen sitzen hinter Gittern« berichtet eine Tageszeitung über die Festnahme zweier Hellseherinnen, die eine Frau gegen Zahlung eines Betrages von 10000 Mark und einer »Vorauszahlung« in Schmuck von einem »Fluch« befreien wollten. In dem Text erscheint zweimal der Hinweis, die beiden Frauen seien »Landfahrerinnen«. Nach Ansicht der Redaktion ist in der Verwendung der Begriffe »Landfahrerin und Landfahrer« keine Diskriminierung zu sehen. Dennoch ist die Redaktion bereit, auf die völlig verständliche Empfindlichkeit des Beschwerdeführers Rücksicht zu nehmen. Sie will sich darum bemühen, dass diese Bezeichnungen nicht mehr verwendet werden. (1990)
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Eine Lokalzeitung berichtet unter der Überschrift »Bei Zigeunern heißt Stehlen >nur< teilen« über eine Diskussionsveranstaltung, in der es um die Frage ging; Betreuung von Asylbewerbern in Lagern oder verteilte Unterbringung in einzelnen Dörfern zur besseren Integration. Ein bei der Betreuung von Sinti und Roma engagierter Bürger wird mit der Aussage zitiert, es komme darauf an, den Ausländern bei der Gestaltung ihres Lebens zu helfen. Dazu gehöre das »Deutlichmachen unserer Denkweisen«, denn die völlig andere Mentalität der Sinti und Roma sei die Hauptursache für die Missverständnisse zwischen den Nomaden und den sesshaften Bürgern. So habe das Wort »stehlen« im Rumänischen die Bedeutung »teilen«. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma weist den Vorwurf »mentalitätsbedingter« Eigentumskriminalität zurück. Die Redaktion dagegen will mit ihrem Bericht deutlich gemacht haben, dass auch Privatbürger auf Sinti und Roma zugehen, ihnen helfen und sie zu verstehen suchen. (1991)
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Unter der Überschrift »Bewährungsstrafen für versuchten Raub« berichtet eine Lokalzeitung, die Große Strafkammer des Landgerichts habe für »drei Sind Frauen aus Polen« eine drohende Freiheitsstrafe wegen versuchten Raubes zur Bewährung ausgesetzt. Einen weiteren Hinweis auf die ethnische Zugehörigkeit der Betroffenen enthält der Text nicht. (1990)
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Eine Lokalzeitung berichtet, ein Jugendlicher, »der auf dem Stadtring fuhr«, sei angeschossen worden. Eine anschließende Durchsuchung des »Zigeunerlagers« an einem Park habe zwei Bockflinten zu Tage gefördert, aus denen jedoch »offensichtlich nicht geschossen wurde«. Die Überschrift des Berichts lautet: »Zwischenfall im Camp der Sinti und Roma - Jugendlicher angeschossen / VP warnt vor Vorurteilen«. (1990)
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Unter der Überschrift »Devise bei Polen-Zigeunern: Klauen alles« berichtet eine Lokalzeitung, die Gemeinschaft der Einzelhändler habe angesichts steigender Ladendiebstähle beschlossen, den Einsatz von Detektiven auszubauen. Einzelhändler warnten vor allem ihr Verkaufspersonal, die Augen »bei Polen-Zigeunern (»Das sind die Schlimmsten«), Rumänen und ganz stark bei jugoslawischen Staatsangehörigen« offen zu halten«. Eines wüssten die Einzelhändler »abgesichert: Polen-Zigeuner klauen alles, von der Windel bis zum Bonbon-Paket.« Ein Jahr später, nach Kenntnisnahme einer Beschwerde über diese Veröffentlichung beim Deutschen Presserat, erklärt die Redaktion ihren Lesern »in eigener Sache«, dass eine Diskriminierung nicht beabsichtigt war. Sie bringt in einer Notiz zum Ausdruck, dass sie die Veröffentlichung der beanstandeten Äußerung bedauert und auf eine Wiederholung verzichten wird. Pauschale Diffamierung ebenso wie rassendiskriminierende Äußerungen hätten der Zeitung fern gelegen. (1990)
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Eine Regionalzeitung berichtet über den Prozess gegen drei »Landfahrerfrauen«, denen Körperverletzung und versuchter Diebstahl vorgeworfen wird. Der Bericht enthält Formulierungen wie: »Lange, bunte Schürzen, in den runden Gesichtern eine unschuldsvolle Miene.« Oder: »Eine andere Landfahrerin, wie die Sinti und Roma allgemein von der Justiz bezeichnet werden, sah sich in dieser Zeit im Zimmer der alten Dame um.« (1990)
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