Germanwings-Absturz: Opferschutz hat Vorrang

Der Deutsche Presserat appelliert im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Absturz eines Germanwings-Flugzeugs an die Medien, den Schutz der Persönlichkeit der Opfer und ihrer Angehörigen zu achten. Am Tag nach dem Unglück liegen dem Presserat bereits mehrere Beschwerden gegen Berichterstattungen zum Thema vor.

„Das öffentliche Interesse an dem Geschehen, seinen Folgen und seinen Ursachen ist groß“, so die Vorsitzende des Beschwerdeausschusses 2 des Presserats, Katrin Saft. „Die Medien müssen selbstverständlich darüber informieren. Der Opferschutz hat jedoch Vorrang.“

Die Opfer von Unglücksfällen haben gemäß Richtlinie 8.1 des Pressekodex einen Anspruch auf den besonderen Schutz ihrer Identität, denn für das Verständnis des Geschehens ist das Wissen darüber in der Regel unerheblich.

Als zufällige Opfer eines Unglücks werden die Verstorbenen auch nicht automatisch zu Personen von zeitgeschichtlicher Bedeutung. Der Schutz ihrer Persönlichkeit überwiegt daher regelmäßig das öffentliche Interesse. Auch die Angehörigen haben ein Recht auf Privatsphäre.

Die Richtlinie 11.3 des Pressekodex stellt außerdem klar, dass die Berichterstattung über Unglücksfälle und Katastrophen ihre Grenze im Respekt vor dem Leid von Opfern und den Gefühlen von Angehörigen findet. Die vom Unglück Betroffenen dürfen grundsätzlich durch die Darstellung nicht ein zweites Mal zu Opfern werden. Auch wäre eine Darstellung nicht von den ethischen Grundsätzen des Pressekodex abgedeckt, welche körperliches oder seelisches Leid in einer Weise darstellt, das über das öffentliche Interesse hinausgeht.

Der Presserat hat in seiner Spruchpraxis die nicht von Betroffenen oder Hinterbliebenen genehmigte Veröffentlichung von Opferfotos regelmäßig beanstandet, weil das Wissen über ihre Identität nicht zur Aufklärung des Sachverhalts beiträgt.

Aktuelles

01. April 2015

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Stellungnahme zum neuen Sexualstrafrecht

Schon vor der Verabschiedung des Gesetzes zur Verschärfung des Sexualstrafrechts am 14.9.2014 hat der Deutsche Presserat verfassungsrechtliche Bedenken zum Entwurf geäußert. Eine ausführliche Stellungnahme zum Thema (Stand: 7.8.2014)

finden Sie hier.

Pressekodex

Pressekodex

Der Pressekodex ist das ethische Regelwerk für die journalistische Arbeit. Es enthält klare Spielregeln hinsichtlich einer verantwortungsvollen Berichterstattung und eines angemessenen journalistischen Verhaltens. Hierzu gehören vor allem die Regeln zur Achtung der Wahrheit, zur Sorgfaltspflicht bei der Recherche sowie zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte.
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Datenbank

Rüge, Missbilligung oder Hinweis, wie hat der Presserat entschieden? Hier können Sie online in der Spruchpraxis des Presserats Beschwerdefälle von 1985 bis heute recherchieren.
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Pressemitteilungen

Hier finden Sie die aktuellen Ergebnisse aus der Arbeit der Beschwerdeausschüsse.

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Jahresbericht des Presserats 2013

Wie stellt sich der Deutsche Presserat den Herausforderungen des digitalen Zeitalters? Wie weit wird er künftig seinen Zuständigkeitsbereich ausdehnen können und wollen? Wo sollen die ethischen Grundsätze der journalistischen Selbstkontrolle durchgesetzt und überwacht werden? Die Sprecherin des Presserats Ursula Ernst und Geschäftsführer Lutz Tillmanns ziehen eine Bilanz des vergangenen Jahres Gremienarbeit und blicken auf die Zukunft der Selbstkontrolle.

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Oliver Schlappat, Referent für Öffentlichkeitsarbeit

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Tel: 030/367007-13