Berichterstattung über die Übergriffe von Köln im Blickpunkt

Die Übergriffe auf Frauen in der Silvester-Nacht in Köln beschäftigen den Deutschen Presserat. Rund zwei Dutzend Beschwerden sind gegen verschiedene Artikel eingegangen. Mehrere Beschwerden richten sich gegen das Titelbild der Focus-Ausgabe „Wir klagen an“ vom 8. Januar 2016, das eine nackte Frau mit schwarzen Handabdrücken auf dem Körper zeigt, sowie gegen eine Illustration, die auf der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung am 9. Januar 2016 zu sehen war. Sie zeigt, wie eine schwarze Männerhand zwischen zwei weiße Frauenbeine greift. Der Presserat wird die Beschwerden in den nächsten Wochen im Rahmen seines Verfahrens prüfen.

Die Ereignisse lösten eine öffentliche Diskussion darüber aus, ob die Nationalität von mutmaßlichen Tätern genannt werden darf oder nicht. Im besonderen Fall von Köln, aber auch allgemein bei der Berichterstattung über Straftaten. Auch bei Nachfragen beim Presserat war dies Thema.

Journalisten müssen abwägen zwischen dem öffentlichen Informationsinteresse einerseits und den schutzbedürftigen Interessen von Einzelnen/Minderheiten andererseits. Für Journalisten keine leichte Gratwanderung. Bindend ist die Ziffer 12, Richtlinie 12. des Pressekodex. Darin heißt es:

Ziffer 12 – Diskriminierungen
Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden.


Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten
In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Der Presserat hat verschiedentlich zu dem Thema Stellung genommen, z.B. in Chrismon in der Drehscheibe, im Deutschlandfunk, im Tagesspiegel, in der Süddeutschen Zeitung, in der Berliner Morgenpost.

Aktuelles

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21. Januar 2016

Beschwerderekord beim Presserat

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15. Januar 2016

Beschwerden und Anfragen zur Berichterstattung über Köln

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03. Dezember 2015

Totes Flüchtlingskind am Strand ein Dokument der Zeitgeschichte

Der Presserat hat auf der Sitzung des Beschwerdeausschusses 1 am 02.12.2015 wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex neun öffentliche Rügen...

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Pressekodex

Pressekodex

Der Pressekodex ist das ethische Regelwerk für die journalistische Arbeit. Es enthält klare Spielregeln hinsichtlich einer verantwortungsvollen Berichterstattung und eines angemessenen journalistischen Verhaltens. Hierzu gehören vor allem die Regeln zur Achtung der Wahrheit, zur Sorgfaltspflicht bei der Recherche sowie zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte. Zuletzt wurde der Kodex im März 2015 im Hinblick auf onlinespezifische Anforderungen an die Presseethik ergänzt. mehr lesen

Beschwerdeformular

Falsche Tatsachen oder saubere Recherche? Jede Person kann sich beim Presserat über journalistische Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und deren Online-Auftritten beschweren und diese presseethisch prüfen lassen. weiter zum Beschwerdeformular

Gremium erweitert

Der Deutsche Presserat hat im Hinblick auf das kontinuierlich gestiegene Beschwerdeaufkommen der vergangenen Jahre den Beschwerdeausschuss 3 (Redaktionsdatenschutz) erweitert. Der Ausschuss wird künftig neben den Datenschutzfällen auch weitere, allgemeine Beschwerden behandeln. Das Gremium setzt sich wie auch die Beschwerdeausschüsse 1 und 2 aus acht Mitgliedern der vier Trägerorganisationen des Presserats zusammen: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Deutscher Journalisten-Verband (DJV), Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Vorsitzender des Ausschusses ist Johannes Endres (Foto). Er ist Chefredakteur von c´t  und heise online. Die erste Sitzung des Gremiums findet statt am 09.03.2016 in Berlin. Welche Beschwerdefälle in welchen Beschwerdeausschuss gelangen, regelt der so genannte Geschäftsverteilungsplan (§ 10 Geschäftsordnung des Presserats).

Datenbank

Rüge, Missbilligung oder Hinweis, wie hat der Presserat entschieden? Hier können Sie online in der Spruchpraxis des Presserats Beschwerdefälle von 1985 bis heute recherchieren.
zur Online-Recherche

Pressemitteilungen

Hier finden Sie die aktuellen Ergebnisse aus der Arbeit der Beschwerdeausschüsse. mehr lesen

Downloads

Hier finden Sie eine Übersicht aller Publikationen des Presserats zum Download. Zum Beispiel Pressekodex, Satzung, Leitfäden, Stellungnahmen... mehr lesen