Leitsätze zu Richtlinie 12.1 veröffentlicht

Der Deutsche Presserat hat Leitsätze veröffentlicht, die die Regeln für die Kriminalberichterstattung in Richtlinie 12.1 des Pressekodex ergänzen. „Wir haben Kritik und Anregungen zu diesem Thema aus vielen Redaktionen aufgenommen und umgesetzt. Die Leitsätze sollen Entscheidungshilfen für die Anwendung der Regeln im Redaktionsalltag geben“, sagt Manfred Protze, Sprecher des Deutschen Presserats. „Redaktionen haben stets zu entscheiden, ob die Erwähnung der Herkunft von Straftätern unter Berücksichtigung möglicher diskriminierender Nebenwirkungen durch ein überwiegendes öffentliches Interesse gerechtfertigt ist. Für diese Entscheidung geben die Leitsätze konkrete Anhaltspunkte. Sie stellen auch klar, dass das am Gemeinwohl orientierte Öffentliche Interesse nicht mit Interessen anderer Art zu verwechseln ist. Gruppeninteressen oder reine Neugier sind jedenfalls kein geeigneter presseethischer Maßstab beim Diskriminierungsschutz.“

Der Presserat hat in den Leitsätzen Kriterien zusammengestellt, die für oder gegen ein begründetes öffentliches Interesse und damit eine mögliche Nennung der Zugehörigkeit von Tätern und Tatverdächtigen zu einer Minderheit sprechen.

 

 

„Die Leitsätze stellen klar, dass der Presserat den Diskriminierungsschutz unverändert ernst nimmt“, erläutert Protze. „Dies entspricht der grundsätzlichen Werteorientierung der Presse.“ Die freiwillige Selbstkontrolle stützt sich unter anderem auch auf Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Sie legen den Schluss nahe, dass die Angabe der Herkunft von Tatverdächtigen und Tätern in der Kriminalitätsberichterstattung die Einstellung von Lesern gegenüber den genannten Minderheiten insgesamt negativ beeinflussen kann.
Nachdem das Plenum des Presserats im März dieses Jahres zunächst eine Aktualisierung der Richtlinie 12.1 vorgenommen hatte, folgen nun die als Ergänzung angekündigten Leitsätze. Protze: „Diese Leitlinien sind nicht in Stein gemeißelt. Wir werden die darin gegebenen Erläuterungen im Lichte praktischer redaktioneller Erfahrungen gegebenenfalls weiter entwickeln. Unverändert bleibt es aber Ziel des Presserats: Das Risiko diskriminierender Nebenwirkungen in der Berichterstattung so weit wie möglich zu begrenzen ohne den Anspruch der Öffentlichkeit auf wahrheitsgemäße und sachgerechte Unterrichtung zu schmälern.“

Die Leitsätze finden Sie hier



Aktuelles

11. Juli 2017

G20-Proteste: Presserat prüft Beschwerden zu Fotos in BILD-Bericht

"Wer kennt diese G20-Verbrecher" - unter dieser Überschrift berichtet die BILD-Zeitung am 10.07.2017 über die Proteste beim G20-Gipfel in Hamburg und...

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06. Juli 2017

Stellenangebot: Referenten/-in für Öffentlichkeitsarbeit

Der Presserat sucht als Elternzeitvertretung Verstärkung für sein Team in der Geschäftsstelle in Berlin. Ab dem 1. November 2017 wird eine Stelle als...

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15. Juni 2017

Presserat spricht drei Rügen aus

Der Deutsche Presserat hat auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am 12., 13. und 14. Juni 2017 wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex...

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31. Mai 2017

Leitsätze erleichtern praktische Handhabung in der Redaktion

Der Deutsche Presserat hat Leitsätze veröffentlicht, die die Regeln für die Kriminalberichterstattung in Richtlinie 12.1 des Pressekodex ergänzen....

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24. März 2017

Opfer müssen anonym bleiben

Der Deutsche Presserat hat auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am
21., 22. und 23. März 2017 wegen schwerer Verstöße gegen den Pressekodex...

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Jahresbericht erschienen

Der Presserat zieht Bilanz: 1.851 Leser wandten sich im Jahr 2016 an die Freiwillige Selbstkontrolle und baten um Überprüfung von journalistischen Berichterstattungen anhand des Pressekodex. "Thematisch fiel auf, dass im Jahr 2016 besonders politische Krisen, Konflikte und Terroranschläge bei den Beschwerden im Fokus standen", sagt Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Presserats. Auffallend: Immer mehr Beschwerden richten sich gegen Artikel, die online erschienen sind. Kontinuität herrscht hingegen bei den Sanktionen: 33 Rügen verzeichnete der Presserat im Jahr 2016, im Vorjahr waren es 35. Regionale Tageszeitungen sind weiter die häufigsten Beschwerdegegner.

Beschwerde einreichen

Falsche Tatsachen oder saubere Recherche? Jede Person kann sich beim Presserat über journalistische Beiträge in Zeitungen, Zeitschriften und deren Online-Auftritten beschweren und diese presseethisch prüfen lassen. weiter zum Beschwerdeformular

Presseausweis

Die Ständige Kommission beim Deutschen Presserat hat für 2018 sechs Organisationen als ausgabeberechtigte Verbände anerkannt. Weitere Informationen und den Text der Vereinbarung finden Sie hier.

Pressemitteilungen

Hier finden Sie die aktuellen Ergebnisse aus der Arbeit der Beschwerdeausschüsse. mehr lesen

Pressekodex

Der Pressekodex ist das ethische Regelwerk für die journalistische Arbeit. Es enthält klare Spielregeln hinsichtlich einer verantwortungsvollen Berichterstattung und eines angemessenen journalistischen Verhaltens. Hierzu gehören vor allem die Regeln zur Achtung der Wahrheit, zur Sorgfaltspflicht bei der Recherche sowie zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte. Zuletzt wurde der Kodex im März 2015 im Hinblick auf onlinespezifische Anforderungen an die Presseethik ergänzt. mehr lesen

Datenbank

Rüge, Missbilligung oder Hinweis, wie hat der Presserat entschieden? Hier können Sie online in der Spruchpraxis des Presserats eine Auswahl an Beschwerdefällen von 1985 bis heute recherchieren.
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Neue Mitglieder

Der Presserat hat neue Mitglieder in seinen Reihen: Ralph Bauer, Redakteur beim Main-Echo, wurde vom DJV in den Presserat entsandt. Er ist Mitglied im Beschwerdeausschuss 1 und im Plenum. Dr. Jost Müller-Neuhof, Redakteur/Rechtsanwalt beim Tagesspiegel, wurde ebenfalls vom DJV entsandt und ist Mitglied in den Beschwerdeausschüssen 2 und 3 und im Plenum. Einen Wechsel gibt es zudem an der Spitze des Beschwerdeausschusses 2: Matthias Meincke (BDZV) wurde zum Vorsitzenden gewählt. Der Syndikus-Rechtsanwalt löst Katrin Saft vom DJV ab.